Basics: Was ich über Chiptuning wissen sollte?

Basics: Was ich über Chiptuning wissen sollte?

Die Parameter der elektronischen Motorsteuerung sind in der Regel als Datensatz auf einem wiederbeschreibbaren Speicherchip (Flash Eeprom) abgelegt. Dieser Datensatz kann bei den meisten Fahrzeugen (ca. ab Baujahr 2000) über den Diagnoseanschluss des Fahrzeuges beliebig oft gelesen und geschrieben werden (OBD Tuning). Darüber hinaus kann der Speicherbaustein direkt über einen Eprom Brenner (Lötarbeiten) oder über den BDM Port (Background Debug Mode) des geöffneten Motorsteuergerätes gelesen und geschrieben werden. Alternativ zum klassischen Chiptuning (Kennfeldänderung) erfreuen sich auch sog. Zusatzsteuergeräte immer größerer Beliebtheit. Chiptuning optimiert für die Steuerung und Regelung des Motors wichtige Parameter. U.a. werden abhängig von Temperaturen und Lastzuständen je nach Motorenkonzept Einspritzmenge, Einspritzzeitpunkt, Einspritzdruck, Ladedruck, Luftmasse und Zündzeitpunkt verändert. Durch die Aufhebung der Vmax Begrenzung und ein verändertes Ansprechverhalten (Gaspedalsensorik) können individuelle Fahrerwünsche umgesetzt werden. Beim Chiptuning werden keine baulichen Veränderungen am Motor vorgenommen, die Leistungssteigerung basiert allein auf dem sinnvollen Ausnutzen der thermischen und mechanischen Reserven, über die jeder Serienmotor verfügt. Dies wird über eine Softwaremodifikation des Motorsteuergerätes oder ein Zusatzsteuergerät erreicht. Seriöse Chiptuning-Experten gewähren bis zu einem bestimmten Km-Stand oder Fahrzeugalter (max. 3 Jahre) eine optionale Garantie auf Motor und Getriebe bzw. Schäden an Motor und Getriebe, die eindeutig auf das Chiptuning zurückzuführen sind. Bedenkenträgern würde ich aber generell vom Chiptuning abraten, denn endlose Diskussionen um das „für und wieder, hätte, könnte, was wäre wenn” führen zu keinem befriedigendem Ergebnis für Kunde und Anbieter. Eine Tuning affine Grundhaltung sollten Interessenten schon mitbringen, dann wird es bestimmt eine lohnende Investition für mehr Freude am Fahren.

Die programmierte Chiptuning-Software eines seriösen Tuners verändert die Kennfelder der Motorsteuerung nur geringfügig, sodass keine Grenzwerte erreicht oder sogar überschritten werden. Solche Tuningfirmen verfügen in der Regel über einen Leistungsprüfstand, mit Hilfe dessen die Chiptuning-Software auf das entsprechende Fahrzeug abgestimmt werden kann. Eine Abstimmung und Messung auf dem Prüfstand ersetzt aber niemals eingehende “echte” Testfahrten. “Auf einem Prüfstand ermittelt oder entwickelt” ist somit noch kein Gütesiegel für eine gute Abstimmung.  Erst im Einsatz auf der Straße können die auf dem Prüfstand und im Labor ermittelten Werte auf ihre Alltagstauglichkeit eingehend geprüft und abschließend beurteilt werden.

Jeder Verbrennungsmotor, der über eine elektronische Motorsteuerung verfügt, kann per Chiptuning modifiziert werden, sofern für die unterschiedlichen Steuergerätehersteller (z.B. Bosch, Siemens, Denso, Temic, Delphi, Visteon usw.) entsprechende Tools verfügbar sind. Über die dabei zu überwindenden Security Hürden der Fahrzeughersteller sollte der Tuner natürlich Bescheid wissen. Am wirkungsvollsten ist Chiptuning aber bei Diesel- und Benzinmotoren mit Turboaufladung. Bei Saugmotoren mit kleinem Hubraum ist oftmals keine wirklich spürbare Mehrleistung zu erzielen. Im Interesse der Kundenzufriedenheit und mit Blick auf den Kosten- Nutzenfaktor rate ich von solchen Tunings ab. Einige Spezialisten für Chiptuning erreichen Leistungssteigerungen bis zu 40 % der Seriendaten. Allerdings ist es sicher nicht empfehlenswert „alles auszureizen”, was zunächst als machbar erscheint. Nach aufwändigen Prüfstands- und Testfahrten quer durch die Motorenkonzepte vieler verschiedener Fahrzeughersteller sehe ich eine Mehrleistung von ca. 15-25% als empfehlenswerten Richtwert und Schnittmenge aus deutlich spürbarer Leistung und Haltbarkeit an. Dies wird natürlich durch die damit verbundene Kraftstoffersparnis auch zum Vorteil der Umwelt erreicht. Mehrleistung und Nachhaltigkeit sind schon längst keine Gegensätze mehr. Beim seriösen Chiptuning gibt es den Ökogedanken so gesehen serienmäßig. Beim Eco (Öko)-Chiptuning für Dieselmotoren ist die Verbrauchsminimierung das Optimierungsziel. Hierbei wird die Tatsache ausgenutzt, dass die meisten Fahrzeugführer nicht das Sparpotential ihres Fahrzeuges ausschöpfen. Grundsätzlich ist auch damit eine spürbare Mehrleistung verbunden, allerdings wird bei dieser Variante des Chiptunings das besondere Augenmerk auf die Unterstützung einer ökonomischen Fahrweise durch Verbesserung der Fahrbarkeit (z.B. Drehmomentverlauf) des Motors in den verbrauchsrelevanten Fahrsituationen gelegt. Voraussetzung hierfür ist natürlich nicht zuletzt das entsprechende Fahrverhalten des Fahrzeugführers – bei Vollgasjunkies versagen alle Optimierungsbemühungen des Tuners!

Quelle: http://chiptuning-chiptuning.de/